Meinungsspektrum

I´m gay – Der Generationenkonflikt

Als ich mich bei meinem Vater geoutet habe, sagte er nur: “Ja, das ist ja gerade Trend“. Bei einem zweiten Anlauf entgegnete er mir: “Das denkst du momentan, mal gucken was noch kommt:“ Darauf wusste ich erstmal nichts zu antworten, da es mich so überraschte. Eigentlich ist er doch so tolerant. 

Er nimmt mich nicht ernst, er denkt, es sei nur eine Phase. Weil ich ja eine nicht funktionierende Beziehung mit einem Jungen hatte, würde ich es jetzt mit Mädchen versuchen wollen. Auf die Idee, dass es genau andersherum sein könnte, dass die Beziehung nicht funktioniert hat, weil ich nicht auf Männer stehe, darauf kommt er natürlich nicht und wirft mir lieber verletzende Sprüche an den Kopf. 

Aussagen, wie: „Ich hätte mir echt für meine zweite Tochter Besseres gewünscht“ und „Warum kannst du nicht normal sein?“ fallen in regelmäßigen Zeitabständen. 

Die ältere Generation versteht uns „Gen-Z“ also nicht. Wir wachsen in einem sehr offenen und toleranten Umfeld auf, größtenteils auch durch unsere Eltern geschaffen, doch wenn es um die eigenen Kinder geht, hört die Akzeptanz auf. „Klar hab ich da nichts dagegen“, aber wenn es dann die eigene Familie betrifft klingt das ganz anders: „Kannst du nicht normal sein?“. 

Normal… was heißt das eigentlich? Anpassungsfähigkeit? In Normen und Werte der Gesellschaft passend? Warum definieren eigentlich immer wieder Andere, wie wir uns zu verhalten haben? Klar, akzeptieren unsere Eltern Homo-, Trans- und Bisexuelle, „man darf ja heutzutage gar nichts mehr dagegen haben“. 

Nach Außen muss die eigene Familie perfekt wirken, da geht eine lesbische Tochter gar nicht. Es ist der Druck der Gesellschaft, der Perfektion fordert. 

Außerdem sind unsere Eltern schlichtweg in einer anderen Zeit aufgewachsen, LGBTQ* war zwar bereits präsent und in Deutschland größtenteils auch akzeptiert, doch die Kontaktpunkte waren viel zu selten. Meine Oma ist beispielsweise in einem kleinen Dorf aufgewachsen, „da kennt man sowas einfach nicht“. 

Es ist das Ungewohnte und Unbekannte, was Angst schafft und Angst wiederum führt zu Nicht-Akzeptanz und verletzenden Aussagen. Die kommenden Generationen werden es demnach hoffentlich besser machen. 

Ida Glaser 

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