Abendmahl in Clamecy
12 Deutsche, 12 Franzosen, deren Eltern und Lehrer, ein Abendmahl mitten in Clamecy.
So beginnt der Austausch des Grimmels, mit Crackern, Brot und Limo zum Kennenlernen der Familien- Brot natürlich ohne Wein gereicht- als Vorbereitung auf die nächsten Tage. Ob auch Endzeitstimmung herrschte? Natürlich nicht… Würde ein sehr überzeugender Französischlehrer jetzt sagen, der alle Kinder zum Austausch bewegen will, eigentlich weil er selbst möchte…
Ich hingegen sage: Vielleicht. Die Gemeinschaft war cool, erzählt Nikas Hanfstingl, alle seien entspannt gewesen, vor allem mit vielen Franzosen vom Lycee habe er sich gut verstanden. Aber sein Austauschpartner? Eher nicht. Introvertiert, uninteressiert, in der Woche habe er kaum mit ihm geredet und Nikas habe eigentlich am meisten Zeit mit seiner Mutter verbracht – die immer nur Deutsch reden wollte.
Ich also kann sagen, womöglich herrschte Endzeitstimmung, mit der Realisation, dass die nächsten Tage mit diesem Partner eventuell sehr langweilig werden würde, Endzeitstimmung mit der Trennung von seinen Freunden (zwei Schüler besuchten mit ihren Austauschpartnern das Internat) oder Endzeitstimmung, weil man auf einmal Blackouts in der Sprache bekam.
In Nikas Fall war es aber trotzdem schön; mit Franzosen Basketball spielen, in der Stadt shoppen, gemeinsam Bowlen gehen, die klassische Stadtralley durfte natürlich auch nicht fehlen und ein bisschen kulturelle Bildung in Troyes – man fährt ja schließlich mit der Schule weg- war auch mit dabei.
Alles in allem machten die Leute, wenn auch nicht direkt sein Partner, den Austausch zu einem vollkommenen Erlebnis, und ja, wenn auch nicht so motiviert, der Partner war natürlich trotzdem agréable, wir wollen es mal nicht mit dem Schlechtmachen übertreiben.
Nikas Fazit: Empfehlenswert und definitiv keine Dauerendzeitstimmung, bei vielen kam nie welche auf. So ein Austausch gäbe immer die Möglichkeit, Neues über sich und eine Kultur zu lernen, bringe immer neue Erfahrungen und lohne sich – Egal wie es liefe. Also nicht gruseln, ein Abendmahl kann auch der Abschied von einer sehr langweiligen Zeit zuhause sein. Und: „Ob du jetzt zehn Tage in Frankreich bist oder zehn Tage zuhause rumgammelst – Ich glaub da fällt die Entscheidung leicht.“ (Nikas Hanfstingl, 10.4)



